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Kirchen und Pfarrheime

Gedanken des Monats

 

Gedanken zur Wiedereinweihung unserer Pfarrkiche


Liebe Gemeinde,

wir sind sehr froh und zutiefst dankbar, dass wir am 23. August 2020 unsere Pfarrkirche erneut weihen dürfen.


Viele haben mitgebaut,

durch ihr Gebet für das Gelingen des Baus,

durch ehrenamtlich-handwerkliche Hilfe,

durch Spenden - auch unser Bistum hat kräftig bezuschusst -,

durch weise Entscheidungen im Pfarrgemeinde- und vor allem im Verwaltungsrat,

durch Kompetenz und große Kooperation des Architektenbüros und der beteiligten Firmen.

Das alles sind Formen des Unterstützens und Mitbauens.

Herzlichen Dank dafür!


Und ich denke, wir dürfen auch dankbar sein, dass wir bei den Bauarbeiten keine größeren Überraschungen erlebt haben und auf der Baustelle kein Mensch zu Schaden gekommen ist. Angesichts der vielen Handwerker, die hier zum Teil in großer Höhe gearbeitet haben, ist auch das ein Grund zum Dank.

Diese neu renovierte Kirche ist ein starkes Signal für unser Gemeindeleben und für die Zukunft des Glaubenslebens vor Ort. Wenn wir einen Kirchenraum betreten, betreten wir den Lebens- und Glaubensraum vieler Generationen vor uns. Dann kommen uns die Menschen in den Sinn, die diesen Ort  mit ihren Gebeten und Gesängen, mit ihren Sorgen und Tränen, ihrer Freude und ihrem Dank gefüllt haben.


Wie viele Generationen von Menschen haben in dieser Kirche schon einen Ort der Stille gefunden?

Wie viele Menschen haben in dieser Kirche schon geklagt angesichts einer Not, die sie betroffen hat?

Wie viele Menschen haben Geborgenheit gefunden und Kraft getankt in ihr?

Wie oft wurde Gottes Wort tröstend Menschen zugesprochen, die an diesem Ort ihrer Verstorbenen gedachten - oder Mut machend und wegweisend jungen Eltern, die ihre Kinder zur Taufe brachten?

Wie oft baten Ehepaare hier um Gottes Segen für ihren gemeinsamen Lebensweg?

Wie oft haben Menschen in dieser Kirche Gott danken können nach Bewahrung in schwerer Not, zurückschauen dürfen auf lange Weg-
strecken des Lebens?


Ein Kirchenraum als Lebensraum der vielen Generationen vor uns ist ein durchbeteter und dadurch  geheiligter Raum. Man kann spüren, wie ein Kirchenraum erzählt von den vielen Generationen der Gläubigen vor uns. Sie sind uns Vorbild, ihnen verdanken wir unseren Glauben und sie haben uns den Auftrag übergeben, diesen Glauben weiterzugeben an die nächste Generation. Für sie müssen wir den Weg bereiten und dafür zeitgemäße Formen finden.

Das war unsere Motivation hinter allen Entscheidungen: Die Geschichte des Glaubens in unserer Gemeinde, die in unserer Pfarrkirche zu finden ist, weiterzuerzählen. Sie steckt in vielen Details:


im ältesten Gegenstand der Kirche, dem Vortragekreuz, das um 1430 n. Chr. entstand und jetzt einen Ehrenplatz über dem Altarraum erhalten hat,

im Ambo und im Altar, die einst aus der alten Kommunionbank
entstanden sind,

im Weihwasserbecken, das auch schon als Blumenkübel in einem Vorgarten stand,

im großen Holzkruzifix des Kreuzwegs, das eigentlich zu dominant für die Kirche ist und nicht zur sonstigen Figurenausstattung passt. Es wurde aber unter großen Entbehrungen in wirtschaftlich schweren Zeiten angeschafft – auch ein Glaubenszeugnis - und deshalb hat es wieder seinen Platz in der Kirche gefunden.

 

Unsere Kirche hat ihr Aussehen im Lauf der Zeit schon mehrfach verändert, um das Lebensgefühl der jeweiligen Generation auszudrücken und die Glaubensgeschichte der Gemeindemitglieder weiterzuerzählen. Ich denke und hoffe, dass uns das auch jetzt gelungen ist und und dass unsere Kirche eine „Heimat Kirche“ für alle sein wird.

 

Wir Menschen brauchen Orte, an denen wir Gott besonders spüren und an denen wir unseren Glauben gemeinsam feiern können. Denn zum christlichen Glauben gehört die Versammlung der Glaubenden: die Versammlung um Wort und Sakrament. Diese Versammlung der Gläubigen hat große Verheißung, denn Christus hat versprochen: „Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, bin ich mitten unter ihnen“.

Deswegen bauten Christen schon von Anfang an Häuser, in denen sie sich trafen. Kirchen sind unverzichtbare Orte, die nur dazu gebaut sind, dass wir Gott begegnen und er uns. Ja, Gott kann und will uns an allen Orten begegnen - er braucht solche Orte nicht, aber uns helfen Kirchen innezuhalten, auf sein Wort zu hören, die Gemeinschaft zu feiern in Brot und Wein und gemeinsam Gottes Segen zu empfangen.

Diese Gemeinschaft wirkt dann über den Gottesdienst hinaus: in unser Gemeindeleben mit all seinen Gruppen und Vereinen, in unser Ortsleben, in unseren Alltag an den verschiedensten Stellen.

Kirchen sind keine von der Welt abgeschlossenen Räume. Kirchen haben Fenster - Fenster hin zur Welt. Und ihre Türen sind Durchgänge zur Welt mit ihrem Alltag.

Das ist der Auftrag an uns: dass unsere Kirchen Orte werden, an denen Christi Botschaft zu finden ist von allen, die auf der Suche sind.

Ich wünsche unserer Gemeinde von Herzen, dass die neugestaltete Pfarrkirche dazu beiträgt, dass Menschen erfahren: Gott ist uns ganz nah und er geht mit an jeden Ort. Möge sie wieder zu einer Heimat werden für alle Gemeindemitglieder und vor allem für die nächste Generation.

Im Gebet verbunden

Ihr Pater James