Niederrodenbach

 
 

Kirchen und Pfarrheime

Gedanken des Monats

 

Liebe Gemeinde,

Leitwort zum Advent

Gemeinsame Feste, Feiern und fröhliches Zusammensein in unseren Orten und Dörfern fallen überwiegend in die Monate Mai bis Oktober, danach ist „nicht mehr viel los“.

Wir erleben dann die winterliche Jahreszeit oft dunkel und einsamer als die helleren Sommer- und Herbstwochen. Schon vor Sonnenaufgang verlassen die meisten Berufstätigen das Haus und kehren erst in der Dunkelheit nach Hause zurück. Das führt dazu, dass man sich in den Wintermonaten weniger sieht und trifft und viele Ältere oder Alleinstehende den Tag allein erleben. Ich sehe als Pfarrer manche Gemeindemitglieder über einen längeren Zeitraum nicht mehr, denn an kalten Tagen mit schlechtem Wetter oder Dunkelheit nimmt auch der Gottesdienstbesuch oder die Beteiligung an kirchengemeindlichen Angeboten ab. Ich spüre bei vielen Mitmenschen in diesen Wochen eine Einsamkeit, die lähmt und geradezu lebensmüde machen kann.

 

Eine zweite, davon erst einmal zu unterscheidende Erfahrung in diesen Wochen ist der Wunsch, der Vorweihnachts- und Adventszeit ihren eigentlich besinnlichen Inhalt und Rahmen zurückzugeben.

Bereits seit Oktober verfolgt uns Weihnachtsschmuck in den Geschäftsstraßen und Liederberieselung aus Lautsprechern und Radios. Oft wird schon Mitte November der Nadelbaum im Vorgarten mit Lichterketten geschmückt und mit dem Plätzchenbacken begonnen. Mit einer wachsenden und zunehmenden Vorfreude auf das Fest der Geburt Jesu hat das aber nicht mehr viel zu tun.

 

Die Frage ist:

Wie können wir als Christen den Advent gemeinsam begehen?

Wie können wir uns als Gemeinde „aufmachen nach Weihnachten“, Stück für Stück, jeden Tag einen Schritt mehr, lebendig, gemeinschaftlich, vielgestaltig?

 

Ein Element auf einem solchen Weg ist sicherlich der Lebendige Advents-kalender , der mittlerweile zu einem festen Bestandteil der vorweihnachtlichen Aktivitäten bei uns in Rodenbach geworden ist. Eine solche beschauliche Begegnung kann gut tun in der oft turbulenten Zeit vor Weihnachten: kleine, leise, aufmerksame Schritte - in christlicher Verbundenheit. Sie unterbricht den Alltag, ist eine Atempause am Ende des Tages und ermöglicht Begegnung und Gemeinschaft. Entspannen Sie eine Weile mit Menschen aus der Gemeinde. Ein herzliches Dankeschön gilt allen Gastgebern des Kalenders!

„Mut zum Frieden“ - so lautet das Motto der diesjährigen Friedenslichtaktion. Das an der Geburtsgrotte in Bethlehem angezündete Licht, das am 3. Advent nach Deutschland gebracht wird, wollen wir am 15. Dezember um 18 Uhr in einem Friedenslichtweg durch unseren Wohnort tragen. Alle sind eingeladen, das Licht aus Bethlehem mitzunehmen und auch weiter zu schenken. So kann es in unseren Wohnungen, am Arbeitsplatz, in Schule und Kindergarten, an allen Orten leuchten – mitten im Alltag. Denn genauso haben die Hirten auf dem Feld bei Bethlehem das Licht wahrgenommen: mitten im Alltag! Mitten im alltäglichen Geschehen waren sie aufmerksam und wachsam. Als sie das Licht bemerkten, hielt sie nichts mehr zurück. Sie brachen auf und machten sich auf den Weg nach Bethlehem - zum Kind im Stall. Auch wir brauchen ein solches Gespür für all die Situationen, bei denen es in unserer Welt und in uns ein wenig heller werden muss. Gott ermutigt uns immer wieder, dass es nicht darum geht, das Dunkle zu beklagen, sondern ein Licht anzuzünden. Herzliche Einladung.

 

Eine andere Möglichkeit der Vorbereitung auf Weihnachten sind die Rorate-Messen . Seit Jahrhunderten gibt es in der katholischen Kirche die Tradition der Rorate-Messen im Advent. In den frühen Morgenstunden versammeln sich die Gläubigen zu einem meditativen Gottesdienst im Kerzenschein, um ihrer Hoffnung auf die Menschwerdung Gottes Ausdruck zu verleihen. Die Lieder und Texte verbinden uns dabei mit dem Volk Israel vor 2000 Jahren. Auch wenn das frühe Aufstehen sicher schwer fällt, es lohnt sich! In der von Kerzen erleuchteten Kirche wollen wir uns gemeinsam einstimmen auf die Geburt Jesu Christi und wenigstens für einen kurzen Moment all das hinter uns lassen, was uns im Alltag beschäftigt. Wer in der Zeit des Advents mit einem besinnlichen Gottesdienst und einem anschließenden Frühstück in den Tag starten will, ist herzlich eingeladen.

Ich freue mich auf viele adventliche Begegnungen und grüße Sie alle herzlich.

Ihr Pater James