Gedanken des Monats

Advent – Zeit der geöffneten Türen

Für viele von uns gehört der Advent zu einer der schönsten Zeiten des Jahres. Unsere Bilder davon sind geprägt von weihnachtlich geschmückten und illuminierten Häusern und Plätzen, liebevoll dekorierten Weihnachtsmärkten, dem Duft von Bratäpfeln, Lebkuchen und Glühwein, einer heimeligen und gefühlsbetonen Stimmung u.v.a. mehr. Der Advent ist einfach schön und wir freuen uns auf diese Zeit.

Doch in diesem Jahr ist der Advent, angesichts der sich dramatisch entwickelnden Corona Pandemie nun schon das zweite Mal in Folge von Unsicherheit und Furcht bestimmt. Wie bedrohlich ist die gegenwärtige Situation, wie muss/soll ich mich verhalten, wie kann ich soziale Kontakte weiter pflegen, in welcher Form kann Weihnachten 2021 überhaupt gefeiert werden?

In der Tradition der Kirche ist der Advent, der ja am Beginn eines neuen Kirchenjahres steht, seit Alters eher durch ernste Töne geprägt. Denn als Vorbereitungszeit auf Weihnachten hin ist der Advent ursprünglich eine Zeit der Besinnung und der Frage, wie wir dem Kommen Gottes in unsere Welt, in unsere Lebenswirklichkeit, den Weg bereiten können.

Die liturgische Farbe für den Advent ist lila, und dies weist deutlich auf dessen Sinn als Zeit der Umkehr und der Buße hin. Gerade in der Adventszeit sind wir aufgefordert, unsere Lebensgestaltung und -gewohnheiten in den Blick zu nehmen, festgefahrene Wege wahrzunehmen, Verschlossenheit gegenüber anderen zu sehen und neu Türen der Umkehr zu öffnen.

Die beliebten Adventskalender, bei denen sich hinter jedem Türchen eine kleine, neue Überraschung befindet, sind dafür ein schönes Zeichen. Denn Türen spielen eine wichtige Rolle in unserem Leben. Wir können sie aus Unsicherheit und Angst heraus verschlossen halten oder neugierig öffnen, um neue Perspektiven zu sehen und damit auch Menschen neu zu entdecken.

Türen können aber auch für uns verschlossen bleiben, den Zugang zum anderen verhindern oder uns in vielfältigen Verstrickungen selbst gefangen halten.

Verschlossene Türen sind ein weit verbreitetes Motiv gerade in unseren Adventsliedern – ich denke dabei insbesondere an das Lied:

„ O Heiland reiß die Himmel auf, herab, herab vom Himmel lauf!

Reiß ab vom Himmel Tor und Tür, reiß ab, wo Schloss und Riegel vor “.

Das ist, auf den Punkt gebracht, Advent: die Zeit der gesprengten Schlösser und Riegel, die Zeit der sich öffnenden Türen im Himmel und auf Erden. Und dabei geht der „Heiland“, Jesus, selbst auf uns zu. Denn er ist der Schlüssel, die Mensch gewordene Liebe Gottes, die uns Türen öffnet und die es auch uns ermöglicht, unsere eigenen verschlossenen Türen zu öffnen.

In dieser Erwartung und Gewissheit können wir uns als Teil eines lebendigen Adventskalenders sehen und fragen: Begreife ich den Advent gerade in diesem Jahr auch als Chance, mich abseits der sonst üblichen Hektik und Betriebsamkeit auf Wesentliches zu besinnen und neu auszurichten?

Nutze ich die Zeit des adventlichen Wartens, meinen Blick zu sensibilisieren für die Situation meiner Mitmenschen ?

Wo kann ich konkret mithelfen, Türen zu mehr Menschlichkeit, Solidarität und Gerechtigkeit öffnen?

Lassen wir uns, wie Kinder beim Öffnen der Türen des Adventskalenders, überraschen und neugierig werden, wenn wir zu Türöffnern/innen werden für unsere Mitmenschen in der Erwartung eines liebenden Gottes, der selbst Mensch geworden ist in der Krippe zu Bethlehem.


Ihr Diakon Reiner Uftring

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