Niederrodenbach

 
 

Kirchen und Pfarrheime

Gedanken des Monats

 

Liebe Rodenbacher Mitbürgerinnen und Mitbürger

Pfingsten, das Fest der Gemeinschaft

„Ich wusste gar nicht, dass ich so etwas kann" , sagte eines unserer Kommunionkinder, als es seine Kerze für die Erstkommunion gestaltete. Es hatte bei sich etwas entdeckt, eine Fähigkeit, die es nicht vermutet hatte, in sich zu tragen.

Es ist schön, begabt zu sein; es macht Freude, etwas anzufangen und zu beobachten, wie es gelingt; es ist ein Glück, Kräfte in sich zu wissen, die gebraucht werden. Es ist gar nicht so wichtig, ob es die geschickten Hände sind oder die Klarheit der Gedanken oder das empfindsame Herz, das andere Menschen suchen − oder eine Kombination aus all dem: Es ist gut, begabt zu sein, und ein Glück, es zu wissen. Wenig anderes im Leben kommt dem gleich. Und jeder kann dieses Glück finden, denn jeder Mensch ist begabt, jeder ist mit einer Gabe beschenkt, kann etwas besonders gut.

Etwas anderes ist es, was wir mit unseren Gaben anfangen − und da wird es manchmal schwierig. So viele verschiedene Ziele gibt es, für die wir unsere Gaben einsetzen können. Man kann aus seinen Gaben etwas Gutes oder etwas Schlechtes entwickeln, aus ihnen kann etwas Wunderbares werden, sie können aber auch hässliche Gestalt annehmen.

Kain und Abel, die ersten Brüder, waren beide begabt, und beide wussten ihre Begabungen einzusetzen. Sie machten etwas aus sich. Und doch scheiterte ihre Beziehung, sie konnten miteinander nicht leben. Am Ende ermordete Kain seinen Bruder. Der Grund für seine Untat war Neid. Er missgönnte Abel seine Gaben und die Aufmerksamkeit, die ihm durch sie geschenkt wurde. Er sah vor sich, was ihm selbst fehlte, an welchen Gaben es ihm mangelte, um gleiche Anerkennung zu erfahren. Er wusste seine eigene Gabe nicht mehr zu schätzen. Neid hat zutiefst mit Angst zu tun. Das ist eine uralte Geschichte, aber sie ist keineswegs überholt.

In unserer Zeit ist der Konkurrenzgedanke groß geworden. Nicht wenige Menschen führen sich auf, als seien sie ein Unternehmen, das mit anderen im Wettbewerb steht. Schon in der Schule weigern sich manche, dem Mitschüler zu helfen, weil das ja die eigenen Chancen schmälern könnte.

In diesem Monat feiern wir Pfingsten. Für uns Christen ist dies der Tag, an dem wir die Gaben feiern, mit denen Gott uns beschenkt und zugleich feiern wir die Gemeinschaft der Kirche. So viele verschiedene Menschen waren an jenem Tag in Jerusalem zusammengekommen, dass es
eigentlich eine Unmöglichkeit war, gemeinsam etwas zu erleben − schon allein das Hindernis der vielen verschiedenen Sprachen: man konnte sich ja nicht einmal verstehen, geschweige denn verständigen. Aber es geschah ein Wunder, sie neideten einander nicht das Anderssein, fürchteten sich auch nicht vor dem Fremden. Vielmehr verstanden sie die anderen, freuten sich an der Vielfalt ihrer Gemeinschaft und erkannten darin einen Widerschein der Liebe Gottes, der so viele Begabungen schenkt wie es Menschen gibt und der sich allen Menschen verständlich machen kann. Dieses Wunder wurde möglich, weil sie Gottes Geist empfingen. Er ist es, der die Versöhnung der Verschiedenen möglich macht. Wer mit Jesus Christus lebt, dem wird ein Weg eröffnet, der das Unverständnis, den Neid und die Angst überwindet. Er führt zuerst zum Mitmenschen, in dem wir unseren Nächsten entdecken. Und das Ziel am Ende des Wegs ist die versöhnte Gemeinschaft der Kinder Gottes in der einen Welt. Denn der Geist Gottes befreit uns vom Kreisen um unsere eigene Person, das jede Gemeinschaft zerstören kann. Er lässt die Freude in uns wachsen auch über die Begabungen der anderen. Der Geist weist den Gaben die Richtung, er zeigt den Ort, an dem sie gebraucht werden und das Ziel, das es wert ist, sie einzusetzen.

Unsere Gaben werden alle gebraucht! Nichts hat die Welt so nötig wie Menschen, die mit ihren Gaben für andere da sind. Ja, wir sind alle begabt, unsere Gaben sind einzigartig.  

Zum Pfingstfest feiern wir mit der ganzen Christenheit die Versöhnung der Verschiedenen, weil Gottes Geist alle Grenzen überwindet, die der Mensch aus lauter Angst und Neid errichtet. Angst und Neid sind nichts als Kleingeist.

Wir danken Gott für seinen großen Geist, der Frieden wirkt, und den er uns geschenkt hat.

In diesem Sinn wünsche ich Ihnen allen frohe und gesegnete Pfingsten!

Ihr Pater James